Als Geschäftsführer der Werbeagentur TogDA zeichnete er für das erste Corporate Design der AGSA verantwortlich, gab den Zielen unserer damals gerade gegründeten Organisation Symbole und Zeichen.
Er war Inspirator, Ideengeber und Kontaktschmied, hat uns immer wieder auf interessante Künstler*innen und Literat*innen wie Galsan Tschinag oder Amouzou Amouzou-Glikpa aufmerksam gemacht, die die Programmarbeit des einewelt haus in den ersten Jahren prägten.
Als Vockerode 2015 zum neuen Lebensmittelpunkt für viele Geflüchtete wurde, entstand die Idee, Menschen nach ihren Erfahrungen, Eindrücken und Geschichten zu befragen, die mit dem Herkommen aus der Fremde und der Geschichte des vor 600 Jahren durch flämische Siedler gegründeten Vockerode zu tun haben.
Im Gesprächs- und Fotoband „Vockerode und die Fremde(n)“ findet sich auch ein Interview unseres ehemaligen Geschäftsführers Michael Marquardt. Durch die AGSA begleitete Lesungen führten uns 2017 gemeinsam an viele Orte Sachsen-Anhalts.
Wir sind Ludwig Schumann dankbar für viele Jahre kreativer, ideenreicher und fruchtbarer Zusammenarbeit.
Am 22. Mai 2019 ist Ludwig Schumann nach langer Krankheit im Alter von 69 Jahren verstorben.
Foto: Foto: Beatrice Dittmann
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Erinnerung an Ludwig Schumann
Nachruf von Michael Marquardt
Was bleibt, wenn ein Leben zu Ende ging? Die Erinnerung an zahllose Begegnungen und Gespräche, leise, nachdenkliche, intensive. Über Literatur, Musik, bildende Kunst- und immer über Menschen. Die sich lieben, die sich finden, die sich trennen. Die ihren Träumen folgen, die ihre Ängste hinausschreien, Über eine Welt, die verletzbarer geworden ist und die verletzt. Über ein Land, das verändert wird, nicht zu seinem Vorteil und das doch Heimat bleibt und von vielen als solche ersehnt wird.
kommt die nacht
erzählen die träume
wie es um uns steht
deine wärme
hält mich fest
damit die liebe weitergeht
aus: Wasserhautseele. Auch Liebesgedichte, kommt die nacht
Als wir uns kennenlernten, ich, der Atheist und Ludwig, der Christ, war er noch Pfarrer in der Börde, ein schreibender und sich dadurch einmischender schon damals. Vielleicht war er da schon der eigentlich Ungläubige, wenn er feinnervig und zumindest für mich schmerzhaft Vision und Wirklichkeit verglich.
Und wir trafen uns wieder, als das Land, in dem wir geboren, schon gegangen war. Die Schwächen der DDR hatte Ludwig Schumann frühzeitig erspürt, nun aber sah er auch schon die Widersprüche des neuen Deutschland, wenn er im Leipziger Monolog schrieb: Jetzt erfriert uns die Einheit.
Das begann schon 1990, als er mit Hans- Wulf Kunze im Projekt GRENZE in Porträts und Fotografien verletzte Landschaften erkundete - und die in ihnen lebenden Menschen.
Von hoher Warte sich über andere zu erheben, war nicht seine Sache. Aber deutlich, klar, vernehmbar, das wollte er sein, wenn er zuletzt als langsamer Leser auch gegen die Wut anschrieb, die als Alternative sich selbst bezeichnet und Köpfe und Herzen schnürt.
Manchmal war er sehr sinnenfroh, wie in seinen Männergeschichten für Frauen zum Beispiel. Sehr lebendig und behutsam zugleich in seinen Betrachtungen über Bücher und Musik, über Bilder und Plastiken, über Filme und Ausstellungen, in seinem Nachdenken über unser Zusammenleben.
Und vielen ein verlässlicher Freund, der Anteil nahm am Schaffen der Anderen, an ihrem Leben, interessiert, stets freundlich, unaufdringlich. Für den Solidarität keine hohle Phrase, dem Mitfühlen und Menschlichkeit auch von seinem Glauben her Selbstverständlichkeit waren.
Ich schaue auf seine Bücher, blättere noch einmal in den einewelt kunstheften, die wunderbare Ausstellungen begleiteten, in den 2000er Jahren, nach dem schon die Auslandsgesellschaft und das einewelt haus sich auch durch die Logos und Plakate kenntlich gemacht hatten, die von TOgDA geschaffen wurden, der Werbeagentur, der er bis 2004 Geschäftsführer war.
Immer war er der AGSA ein verlässlicher, kenntnisreicher, auch streitbarer Begleiter: Der uns aufmerksam machte auf Künstler*innen, die wir doch ausstellen könnten, der Lesungen mit Dichtern wie Galsan Tschinag vermittelte, der auf Projekte verwies, die unsere Unterstützung verdienten. Und dem wir verdanken, dass die AGSA auch als Mitherausgeber fungierte. Für das Buch Der bei den Ziegen saß , einer Geschichte von Ludwig Schumann mit Zeichnungen von Amouzou Amouzou- Glikpa. In dem auch die Warnung steht: Ein mal Eins ist Null. Lebt einer nur für sich, hinterlässt er keine Spuren.
Nein, Ludwig, so hast Du nicht gelebt, so gehst Du nicht! Du hast Spuren hinterlassen, in Deinen Büchern und Veröffentlichungen, als humorvoller Vorleser, als geduldiger Zuhörer, als Ermutiger - im Leben so vieler sehr unterschiedlicher Menschen. Die Erinnerung an die kürzere oder längere Lebenszeit, die wir mit Dir verbringen konnten, die bleibt. Vielleicht gibt das etwas Trost. Deiner Frau, Deiner Familie, Deinen Freund*innen, all Jenen, denen Du wichtig warst.
Ja, wir sind sehr traurig, trotz alledem.
Und in der Nacht ein Licht,
wenn die Träume
ihr die Bilder malen
aus: Dreizeitenpsalm, Totenlied für Marjama Djombo Diallo
Ludwig Schumann starb am 22. Mai 2019, in seinem siebzigsten Lebensjahr.