Am 10. und 11. Mai fand das vierte von insgesamt acht IKOE-Trainings der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA) e. V. im Roncalli-Haus Magdeburg zum Thema „Organisationskultur und Kulturveränderung“ statt.
Die 13 Teilnehmenden aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen setzten sich auf der Grundlage des erfahrungsorientierten Lernens mit Fragen auseinander wie z. B.: Was bewirkt die Arbeit an Werten in einer Organisation? Was ist bei der Entwicklung eines Leitbildes zu beachten? Und was kann dazu führen, dass die erstrebenswerten Grundsätze von ihren Mitgliedern im Sinne eines „organischen Leitbildes“ auch gelebt werden? (zit. Leandro Felipe Gambôa, Interkultureller Trainer und Berater).
Der erweiterte Teilnehmerkreis für das Thema (u. a. eine „Promotorin für Eine Welt“, ein Koordinator „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie Qualitätsbeauftragte) spiegelte das Portfolio an Interkultureller Trainings- und Beratungskompetenz wider und führte zu einem regen Erfahrungsaustausch. Nach einer erfahrungsorientierten Annäherung an den Kulturbegriff wurden handlungsleitende Prinzipien für die Beratung Interkultureller Öffnungsprozesse (IKÖ), speziell in Verwaltungen und Bildungsorganisationen, von den Teilnehmenden erarbeitet.
Zu Beginn stellten die verschiedenen Gruppen ihre Vorstellungen und Verständnisse von „Organisations- und Unternehmenskultur“ dar und bekamen einen Einblick in die Methodik des Psychodramas. „Dies war ein unglaublich spannender Prozess, der so viel Potenzial zur Diskussion und Vertiefung bot“, so Yoli Reeb, Qualitätsbeauftragte in der Kinder- und Jugendhilfe. Was die Arbeit an Werten in Behörden aber auch Schulen ermöglicht und was dabei alles zu beachten ist, war Kern der weiteren Auseinandersetzung. In reflexiven Spaziergängen erarbeiten sich die zukünftigen Organisationsberater*innen ihre Rolle in der Prozessbegleitung und tauschten sich zu Beispielen aus der Praxis aus.
Dabei wurden die Teilnehmenden von der Lernberaterin und Prozessberaterin Bettina Lobenberg zum Perspektivwechsel ermutigt und dafür sensibilisiert, dass beispielsweise „Jugendamt nicht gleich Jugendamt“ sei und stets hinterfragt werden könne, was von allen Beteiligten unter „transparenter Kommunikation“ zu verstehen sei. Dabei kann es helfen sich immer wieder die „Diskrepanz zwischen Plan und Realität“ vor Augen zu führen. Mit dem Blick auf die „kritische Masse“ ginge es vor allem darum, „Betroffene von Veränderung zu Beteiligten zu machen“.
Als Fazit der 2-tägigen Veranstaltung des IKOE-Projekts der AGSA e. V. resümierte Bildungsreferentin Verena Redemann „Ich glaube, wir haben alle festgestellt, wie individuell Werte verstanden werden können und wie herausfordernd es sein kann, diese in Form eines Leitbildes nach außen hin zu präsentieren, aber auch dementsprechend auf Verhaltensweisen und Maßnahmen in einer Organisation 'herunter zu brechen'. Vor dem Hintergrund, dass diversitätsorientierte Interkulturelle Öffnung als Gesamt- und Querschnittsstrategie ein fortlaufender Prozess ist, der sich auf die Organisation als Ganzes, mit all ihren Ebenen, Bereichen und Mitarbeitenden bezieht, stellt sich für uns als Beratende auch stets die Frage, was wir als Prozessbegleiter konkret und methodisch leisten können. Das ist ein offener Prozess."